Seinem Hobby nachgehen, neue Leute kennenlernen und dabei vielleicht noch einen Preis gewinnen. Redakteur Maximilian Schulz hat sich als Selbstversuch für ein Magic-The-Gathering-Event in Luhe-Wildenau angemeldet.
Wo lernt man heutzutage neue Menschen mit den gleichen Interessen kennen, wenn man schon fertig mit Schule und Ausbildung ist? Das ist teilweise gar nicht so leicht, vor allem wenn das Interesse klassischerweise nicht in Vereinen organisiert wird. Ich würde behaupten, das ist bei mir der Fall, besonders bei meinem neuesten Hobby: „Magic: The Gathering“. Das ist ein Kartenspiel mit einer eigenen Fantasywelt, in die mittlerweile auch alle möglichen Nebenwelten integriert werden, angefangen bei „Stranger Things“, über Marvel bis hin zu „Herr der Ringe“.
Normalerweise spiele ich Magic mit meinen Freunden. Am Freitag ist aber die neueste Kartenerweiterung erschienen und übers Internet habe ich erfahren, dass deshalb ein Event in Luhe-Wildenau stattfindet. Ein sogenannter Prerelease. Also habe ich mir noch einen Kumpel eingepackt und wir sind dorthin zum Games Café gefahren.
Was mir als Erstes auffällt: Der Parkplatz ist berstend voll, als wir kurz vor halb sieben ankommen. Drinnen ist ein buntes Gemisch an Leuten, die an den Tischen zwischen Regalen voller Karten, Zubehör und Brettspielen sitzen, sich unterhalten und dabei verschiedene Spiele spielen. An einer Bar kann man sich mit Getränken versorgen.
An der Kasse steht Matthias Völkl, der Besitzer des Cafés. Er erklärt uns, wie das Event abläuft: „Zuerst braucht ihr ein Prerelease-Kit, das kriegt ihr gleich von mir. Danach könnt ihr erst mal in die Halle hinten gehen, da startet das Event um halb acht. Da liegen QR-Codes am Tisch aus, mit denen registriert ihr euch.“
Im Kit für 30 Euro sind fünf Boosterpacks mit jeweils 15 zufälligen Karten und eines mit einem Thema, an dem man sich später orientieren soll. Aus diesen baut man, sobald es losgeht, ein Deck aus 40 Karten, mit dem man in einem Turnier gegen die anderen Teilnehmer spielt. Als Preis gibt es dann noch mehr Booster: Noch mal 5 für Platz eins, 4 für Platz zwei, 3 für Platz drei und 1 für jeden Teilnehmer als Trostpreis. Bestimmte Karten aus dem Set können für Sammler über 800 Euro wert sein.
Wir suchen uns einen Platz, und dann haben wir noch kurz Zeit, mit unseren Sitznachbarn zu reden. „Ich bin das erste Mal dabei, ich kenne mich auch nicht so gut aus, aber schlimmstenfalls habe ich einfach ein paar mehr Karten“, meint einer meiner Nachbarn lachend. Kilian, er sitzt mir gegenüber, war offensichtlich schon ein paar Mal dabei; er erklärt kurz, worauf man achten sollte und um welche Karten man sein Deck bauen sollte. Dann kommt auch schon Matthias und gibt den Startschuss: „Ihr habt ab jetzt eine Stunde Zeit, die Booster aufzureißen und eure Decks zu bauen. Viel Glück und viel Spaß!“
Damit bricht um mich herum eine ansteckende Hektik los. Jeder reißt die Verpackungsfolien auf. „Was macht das?“, fragt jemand, jemand anderes freut sich über etwas, was er aufgemacht hat. Auch ich mache mich ans Werk und, um gleich etwas Spannung rauszunehmen: Die 800-Euro-Karte war nicht dabei. Dafür immerhin eine Karte, die online für gute zehn Euro gehandelt wird, und einiges an Sachen, die ich gut finde. Wie alle um mich herum sortiere ich konzentriert meine Sachen, lese mir alles durch und zähle zigmal nach. Das ist wohl der Teil, an dem am wenigsten geredet wird. Nach einer knappen halben Stunde bin ich fertig mit meinem Deck – als einer der Ersten, wie ich feststelle.
Ich weiß zwar nicht, ob das ein gutes Zeichen ist, aber es gibt mir immerhin Zeit, mich noch mal kurz mit Matthias zu unterhalten. „Ich hab das Gefühl, das neue Set kommt gut an, und die Leute haben auch einfach viel Lust, zusammen bei so was mitzumachen“, erzählt er mir. „Wir haben heute rund 40 Leute beim Prerelease allein, und für morgen haben sich auch noch sechs gemeldet, die heute nicht konnten. Aber auch so kommen schon den ganzen Tag Leute, die die Sachen einkaufen oder einfach ein paar Runden zum Spaß spielen wollen.“ Genaue Zahlen zur Spielerschaft zu erheben, ist relativ schwierig, allerdings wächst die Onlineversion des Spiels seit 2023 ziemlich kontinuierlich an und hatte im Sommer 2025 über 18.000 aktive Spieler auf Steam. Wie Hasbro, die Firma hinter dem Spiel, berichtet, seien die Spielerzahlen wohl um knapp 40 Prozent gestiegen und die Spielerschaft werde auch immer jünger, was sie vor allem auf Crossovers wie zum Beispiel „Final Fantasy“ oder „Avatar: The Last Airbender“ beziehen.
Zurück am Tisch geht die erste Runde los. Man spielt, bis einer zwei Siege hat; zwischen den Runden kann man sein Deck ein wenig mit den Karten, die man übrig hat, anpassen, um besser gegen den anderen anzukommen. Mein erster Gegner ist ein US-Amerikaner, der aus der Nähe von Grafenwöhr kommt. Er erzählt, dass er schon seit über 15 Jahren aktiv Magic spielt und regelmäßig ins Games-Café fährt. Das macht mich erst mal nervös, aber nach zwei Runden stellt sich raus: Irgendetwas habe ich wohl richtig gemacht. 2:0 für mich ist das Endergebnis. Mein Gegner nimmt es locker, wir tragen das Ergebnis in die App ein und haben noch knapp 20 Minuten zum Reden. Er zeigt mir ein Deck, das er mitgebracht hat, erklärt, wie sich das Spiel verändert hat, und erzählt von seiner ursprünglichen Heimat an der Ostküste der USA, wo er früher mit seiner Schwester zu solchen Events gegangen ist. Während wir uns über Mietpreise in New York und München auslassen, endet die erste Runde.
In Runde zwei spiele ich gegen Lukas, der 28 Jahre alt ist und seit knapp einem Jahr Magic spielt. Er ist ursprünglich über das Pokémon-Kartenspiel ins Games-Café gekommen und hat hier Magic für sich entdeckt. „Die Welt mit den Artworks auf den Karten ist einfach wirklich sehr cool, und ehrlicherweise ist es auch einfach ein bisschen billiger, als aktiv Pokémon zu spielen“, erklärt er. Diesmal ist es ein wenig knapper: Nach zwei Runden steht es 1:1 zwischen uns, und während der letzten Partie läuft bereits die Zeit langsam aus. In den letzten Zügen, die Matthias uns gibt, gewinne ich aber und bin damit gemeinsam drei weiteren Leuten vorerst auf dem ersten Platz.
Mein dritter Gegner ist Kilian, der mir vorher bereits gegenübersaß und uns Tipps gegeben hat. Er hat davor 1:2 verloren, was mir erst einmal Mut macht. Auf meine Frage, ob er zufrieden ist mit dem, was er aufgemacht hat, antwortet er: „Nicht wirklich, aber zumindest macht es richtig viel Spaß, zu spielen.“ Wir fangen an, und ich kann es nicht anders sagen: In einer halben Stunde zerlegt er mich. 0:2 für ihn. Damit ist der erste Platz vermutlich schon mal raus, Platz zwei aber noch erreichbar.
Um halb elf startet die finale Runde, und mein Gegner Carsten, 29, ist extra aus Regensburg angereist. „Ich finde das richtig krass hier, bei uns gibt es nichts, was annähernd in dieser Größenordnung ist“, erzählt er. Er spielt regelmäßig in verschiedenen Gruppen in Regensburg und ist jetzt schon zufrieden mit dem Event: „Ich hab mein Geld zumindest schon mal wieder rausgeholt mit den Karten, die ich gezogen hab.“ Wir spielen drei Runden, und es ist ein knappes Ding, aber am Ende gewinne ich 2:1. Damit lande ich am Ende auf Platz drei. Beendet ist das Ganze gegen Mitternacht, und wir machen mit den anderen gemeinsam unsere Preispacks auf. Auch hier: Leider keine 800 Euro, bei keinem von uns. Dafür haben wir neue Leute kennengelernt, und über das Spiel kommt man super ins Gespräch miteinander. Lukas hat mich auch gleich eingeladen, mal so für ein paar Spiele vorbeizukommen, und Matthias hat mich direkt auf das nächste Event am 9. Mai hingewiesen.