Upgrade oder Unsinn? | Weiden24

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vor 2 Stunden
LEO-Redakteur Max beschäftigt zur Zeit seine mit WLAN verbundene Kaffeemaschine.  (Bild: Sara Neidhardt)
LEO-Redakteur Max beschäftigt zur Zeit seine mit WLAN verbundene Kaffeemaschine. (Bild: Sara Neidhardt)
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LEO-Redakteur Max beschäftigt zur Zeit seine mit WLAN verbundene Kaffeemaschine. (Bild: Sara Neidhardt)

Upgrade oder Unsinn?

Kaffeemaschine mit WLAN, Laufuhr mit Kontrollzwang und ein Bartschneider mit summa cum laude. Braucht's das? Eine augenzwinkernde Abrechnung mit dem Technik-Wahnsinn und die Erkenntnis, dass Fortschritt manchmal doch ganz nützlich ist.

Meine Kaffeemaschine hat WLAN. Früher wäre das ein Witz gewesen, heute Grundausstattung. Wozu braucht eine Kaffeemaschine WLAN? Wann haben wir beschlossen, dass Geräte mit einer einzigen Aufgabe plötzlich eine Online-Persönlichkeit brauchen?

Was sie online treibt? Vielleicht eröffnet sie einen Reddit-Thread: „Mein Besitzer trinkt immer noch aus seiner 25 Jahre alten Bart-Simpson-Tasse. Was kann ich tun?“ Vielleicht streamt sie heimlich Espresso-Tutorials. Vielleicht fragt sie eine KI: „Dein Patient: Männlich, Mitte 30, schlecht geschlafen. Wie viele Tassen Kaffee sind medizinisch vertretbar?“

Fest steht: Ich komme aus der Welt „Kaffeefilter auf Kanne“. WLAN gehörte für mich nie zu den Grundbedürfnissen einer Kaffeemaschine. Bei Technik gilt für mich ohnehin: Funktioniert es noch? Ja? Passt. Mein alter Bartschneider zum Beispiel. Der funktionierte. Er schnitt Haare. Manche sofort, andere sträubten sich und wurden eher unsachgemäß gestutzt – also gerupft statt gekappt. Am Ende war mein Bart kürzer.

Irgendwann kaufte ich ein Hightech-Haarschneide-Set. Eigentlich nur, weil ich dachte, irgendwo musste der ganze Fortschritt ja seinen Sinn haben. Plötzlich glitt dieses Gerät über Doppelkinn, Wangen und Bart, als hätte es dafür jahrelang an einer Elite-Uni studiert. Engelschöre ertönten. Irgendwo nickte ein Meister-Barbier anerkennend. Kein Rupfen, kein Zupfen, kein Geräusch wie ein verzweifelt stotternder Rasenmäher. Stattdessen: klare Kanten, eine einheitliche Länge. Wow. Und trotzdem: Ich fühlte mich betrogen. All die Jahre dachte ich, Bart stutzen müsse sich ein bisschen nach Muay-Thai-Sparring anfühlen.

Dann kam die Laufuhr. Zehn Jahre kam ich ohne sie aus. Schuhe an, Tür auf, los. Danach wusste ich: Ich war laufen. Meine Beine wussten es noch Tage später. Heute trage ich eine Uhr, die mir morgens mitteilt: „Oh, du hast aber schlecht geschlafen.“ Früher genügte ein kurzer Blick in den Spiegel. Augen offen? Bereit für Abenteuer. Augen wie zwei Briefkastenschlitze? Vergiss es, der Tag ist im Eimer. Jetzt erledigt das ein Sensor am Handgelenk. Mittlerweile kennt mich die Uhr besser als manche Angehörige. Zumindest erkundigt sie sich häufiger nach meinem Wohlbefinden.

Plot-Twist: Ich liebe dieses Ding. Ausgerechnet die Uhr, der ich jahrelang skeptisch gegenüberstand, ist zu meinem zuverlässigsten Laufpartner geworden. Sie bremst mich, wenn ich aus jedem lockeren Lauf ein persönliches Olympia machen möchte. Sie motiviert mich, wenn das Sofa stärkere Argumente hat als meine Laufstrecke. Und manchmal erinnert sie mich daran, dass Erholung ebenfalls zum Training gehört. Eine Erkenntnis, die meine Beine längst hatten, mein Gehirn aber ignorierte.

Das Gemeine an Gadgets: Sie wirken überflüssig – bis man sie besitzt. Danach fragt man Menschen ohne Fitnessuhr: „Ist alles okay bei dir?“ Gadgets dürfen sein – solange sie unser Leben tatsächlich leichter machen und nicht dreimal pro Woche per Push-Nachricht um eine Entkalkung bitten. Vielleicht belehrt mich moderne Technik doch eines Besseren. Erst der Bartschneider, dann die Laufuhr. Vielleicht irgendwann sogar das WLAN meiner Kaffeemaschine.

Während ich das schreibe, weiß ich immer noch nicht, was meine Kaffeemaschine zu Hause im Internet macht. Heute Morgen genügte jedenfalls ein Knopfdruck – und wenige Sekunden später stand ein kräftiger Kaffee mit satter Crema vor mir. Wenn sie dafür WLAN braucht, darf sie meinetwegen auch nachts mit dem Kühlschrank einen Podcast aufnehmen.

 
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