Künstlerin Sabrina Zrenner: Zwischen Neonfarben und Naturmaterialien | Weiden24

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Sabrina hat zusammen mit den Kunstverein im ehemaligen Studienseminar St. Augustin in Weiden einige ihrer Werke ausgestellt. (Bild: Sabrina Zrenner)
Sabrina hat zusammen mit den Kunstverein im ehemaligen Studienseminar St. Augustin in Weiden einige ihrer Werke ausgestellt. (Bild: Sabrina Zrenner)
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Sabrina hat zusammen mit den Kunstverein im ehemaligen Studienseminar St. Augustin in Weiden einige ihrer Werke ausgestellt. (Bild: Sabrina Zrenner)

Künstlerin Sabrina Zrenner: Zwischen Neonfarben und Naturmaterialien

Sabrina Zrenner verarbeitet in ihren Kunstwerken persönliche Erlebnisse, gesellschaftliche Themen und die Sehnsucht nach Urbanität. Im Interview spricht die Falkenbergerin über Kunst als emotionalen Anker und nachhaltige Materialien.

Sabrina, wann hast du gemerkt, dass du künstlerisch arbeiten möchtest?

Ich habe schon immer gern gemalt. Da war ich vielleicht vier oder fünf Jahre alt, als ich ein Bild im Schrank gefunden habe. Niemand wusste, woher es kam. Darauf war ein Mädchen auf einem Pferd zu sehen. Ich weiß noch, dass ich total fasziniert war und mir dachte: „Wow, wer hat das gemalt?“ Ich wollte das Bild unbedingt nachmalen und habe es einfach ausprobiert. Über die Jahre hinweg habe ich immer gemalt – allerdings eher für mich, im stillen Kämmerlein. In den letzten Jahren wurde das Ganze intensiver. Ich habe gemerkt, dass die Kunst für mich ein Anker ist. Immer wenn etwas Negatives in meinem Leben passiert ist, habe ich mich zurückgezogen und gemalt. Dabei konnte ich Gefühle rauslassen, abschalten und einfach einen Raum nur für mich schaffen.

Deine Werke sind bunt, wild und optimistisch – spiegelt das deine Persönlichkeit?

Ja, definitiv. Ich versuche mittlerweile, negative Dinge aus meinem Leben fernzuhalten. Ich schaue zum Beispiel kaum noch Nachrichten, weil mich vieles einfach runterzieht. Stattdessen konzentriere ich mich auf positive Dinge und darauf, was mir guttut. Das spiegelt sich auch in meinen Bildern wider. Die Farben, die Motive und die ganze Stimmung sind oft sehr bunt und farbenfroh.

Deine Bilder werden oft komplexer als ursprünglich geplant – wie passiert das?

Ich habe meistens schon ein klares Bild im Kopf, das ich malen möchte. Das ursprüngliche Motiv ist also von Anfang an präsent. Während des Malens kommen aber oft noch neue Ideen dazu. Dann frage ich mich: „Was könnte ich noch verändern oder verbessern?“ Das ist für mich ein Prozess, der sich entwickelt. Irgendwann komme ich zwar an den Punkt, an dem ich aufhören könnte, aber ich bin auch sehr kritisch mit mir selbst. Deshalb arbeite ich oft so lange weiter, bis ich das Gefühl habe, dass es aus meiner Sicht perfekt ist.

Welche Rolle spielen Zufall und Intuition in deiner Arbeit?

Zufälle passieren natürlich schon manchmal, aber grundsätzlich habe ich das Bild vorher sehr klar im Kopf. Ich versuche dann, diese Vorstellung eins zu eins umzusetzen. Ich experimentiere vor allem mit Farben – wie sie wirken, zusammenpassen oder sich verändern. Da spiele ich farblich viel. Das Motiv selbst bleibt aber meistens ziemlich nah an meiner ursprünglichen Idee.

Natur, Menschen, Tiere, Emotionen und gesellschaftliche Themen – was inspiriert dich am meisten und warum?

Aktuell inspirieren mich vor allem Menschen und Tiere. Ich versuche gerade, beides miteinander zu mischen. In letzter Zeit habe ich sehr viel aus meinem eigenen Leben verarbeitet – auch schwierige oder negative Erfahrungen. Oft male ich Gesichter oder Menschen, die letztlich für mich selbst stehen. Die Gefühle, die in mir sind, landen dann auf der Leinwand. Mein emotionaler Zustand spielt dabei eine große Rolle. Wenn jemand gestorben ist oder mich etwas sehr belastet, tauchen diese Emotionen automatisch in meinen Bildern auf. Ein Bild mit einer Frau darauf ist zum Beispiel entstanden, nachdem mein Vater gestorben ist. Darüber habe ich diesen Verlust verarbeitet.

Gibt es ein Motiv oder Thema, zu dem du immer wieder zurückkehrst?

Eigentlich nicht. Ich probiere lieber ständig neue Dinge aus. Selbst wenn ich Menschen oder Tiere male, versuche ich immer, sie anders darzustellen. Ich möchte nicht immer wieder das gleiche Motiv malen – also nicht ständig denselben Fuchs, sondern vielleicht mal einen Hasen, ein Reh oder etwas völlig Neues. Mich reizt vor allem das Ausprobieren. Es gibt so viele Möglichkeiten, und genau das finde ich spannend.

Deine neonfarbenen Akzente stehen für urbane Lebendigkeit – wie passt das zur Natur als Inspirationsquelle?

Das Urbane steht für mich ein bisschen für Sehnsucht. Wir wohnen sehr ländlich, und manchmal vermisse ich das Stadtleben. Durch die Kunst kann ich beides miteinander verbinden. Die kräftigen Farben machen die Bilder explosiver, lauter und wilder – genau so empfinde ich auch das Leben in der Stadt. Gleichzeitig fühle ich mich aber dort, wo ich jetzt lebe, sehr wohl.

Du experimentierst viel mit Materialien: Was reizt dich am Ausprobieren mit dem, was dir die Natur gibt?

Mich reizt vor allem der Gedanke, aus Dingen etwas zu schaffen, die ohnehin schon da sind. Wir leben im Überfluss und kaufen ständig Neues – dabei gibt es so viele Materialien direkt um uns herum. Ich habe zum Beispiel schon Farben aus Naturmaterialien hergestellt, etwa aus eingekochten Ästen eines Apfelbaums. Daraus entstand eine gelbe Farbe. Ich arbeite außerdem gern mit Pappe oder baue Leinwände selbst aus Holz und alten Spannbettlaken. Eins dieser Werke ist aktuell auch in Weiden ausgestellt. Für mich gehört das zu meiner Idee von nachhaltiger Kunst. Ich möchte zeigen, dass Kunst nicht immer Konsum bedeuten muss. Natürlich ist das sehr zeitaufwendig, deshalb versuche ich einen Mittelweg zu finden. Aber mein Ziel ist, wieder näher an die Natur heranzukommen und den Konsumwahnsinn zu stoppen.

Was möchtest du bei den Betrachtern auslösen?

Ich möchte vor allem Emotionen auslösen. In meinen Bildern stecken sehr viele Gefühle von mir selbst, und ich wünsche mir, dass die Menschen das auch spüren. Ich merke oft, dass Leute länger vor meinen Bildern stehen bleiben, genauer hinschauen und anfangen nachzudenken. Das bedeutet mir viel. Ich finde es schade, wenn man ein Bild sieht, ohne die Geschichte dahinter zu fühlen. Aber genau das ist die Kunst: das zu vermittelt und die Verbindung zwischen Künstler und Betrachter zu ziehen. Ich selbst bin ein sehr sensibler Mensch und habe einen schnellen Zugang zu Gefühlen. Wenn ich es schaffe, auch emotional stärkere Menschen tief zu berühren, dann habe ich genau das erreicht, was ich mit meiner Kunst möchte.

Du bist Teil des Kunstvereins Weiden …

Ja, ich bin Mitglied im Kunstverein Weiden und auch im Oberpfälzer Kunstverein. Das war tatsächlich eher Zufall. Ich habe die Kunstszene in Weiden über ein paar Jahre verfolgt und irgendwann gesehen, dass es dort einen Verein gibt. Da dachte ich mir: Ich probiere es einfach. Ich hätte ehrlich gesagt nie damit gerechnet, aufgenommen zu werden, und habe mich deshalb unglaublich gefreut. Vor allem, weil ich mir alles autodidaktisch beigebracht habe – ganz allein zuhause und lange Zeit eher heimlich. Viele wussten gar nicht, dass ich male. Erst letztes Jahr bin ich damit an die Öffentlichkeit gegangen. Jetzt möchte ich diesen Weg weitergehen, und der Kunstverein gibt mir dafür einen schönen Rahmen.

Wie erlebst du die Kunstszene in der Oberpfalz?

Ich glaube, da ist noch Luft nach oben. In größeren Städten wird Kunst oft ernster genommen oder stärker gefördert. Hier wird das manchmal eher belächelt. Dabei ist Kunst etwas unglaublich Wertvolles. Ich war schon in der Schule in Kunst immer sehr gut, aber ich hatte oft das Gefühl, dass dem Fach nicht wirklich Bedeutung beigemessen wird. Dabei kann Kreativität Menschen stärken und glücklich machen. Deshalb möchte ich das auch meinen Kindern mitgeben. Kunst hilft dabei, Gefühle auszudrücken und sich selbst besser kennenzulernen. Ich sage auch oft zu anderen: Fang einfach an. Es muss nicht perfekt sein. Wichtig ist nur, offen zu sein und sich zu trauen, Gefühle zuzulassen.

Muss man für die Kunst „raus in die Welt“ – oder kann Inspiration auch vor der eigenen Haustür entstehen?

Für mich entsteht Inspiration ganz oft direkt zuhause. Manchmal reicht schon ein Spaziergang. Im Winter habe ich zum Beispiel einmal eine Frau gesehen, die mit ihrem Hund an der Leine spazieren gegangen ist. Irgendetwas an diesem Moment hat sofort etwas in mir ausgelöst, und ich wusste: Das muss ich malen. Oft sind es genau solche kleinen Beobachtungen – Menschen, Situationen oder Details in der Natur. Seit ich Kinder habe, nehme ich solche Dinge noch bewusster wahr. Kinder bleiben oft stehen und entdecken Dinge, die Erwachsene längst übersehen. Dadurch hat sich mein Zugang zur Kunst nochmal intensiviert.

Was möchtest du mit deiner Kunst langfristig bewirken?

In erster Linie male ich für mich selbst. Es geht darum, Gefühle rauszulassen und Dinge zu verarbeiten. Über eine große Wirkung habe ich ehrlich gesagt lange gar nicht nachgedacht. Wenn ich überhaupt etwas vermitteln möchte, dann vielleicht, dass Menschen wieder mehr ins echte Leben zurückfinden. Man muss nicht unbedingt Kunst machen – aber jeder sollte etwas finden, das echt ist und einen erfüllt. Etwas, das nichts mit Medien zu tun hat.

Gibt es Künstler oder Bewegungen, die dich besonders geprägt haben?

Mich hat schon immer die mexikanische Künstlerin Frida Kahlo fasziniert. Ich habe mich schon als Jugendliche viel mit ihrer Kunst und ihrem Leben beschäftigt. Beeindruckt hat mich vor allem, wie viel Leid sie in ihrem Leben erlebt hat und welchen Prozess sie in der Kunst durchlaufen hat, dadurch dass sie irgendwann nicht mehr aufstehen konnte. Durch die Kunst konnte sie vieles verarbeiten und daraus Kraft ziehen. Da habe ich für mich viele Parallelen entdeckt. Auch in meinem Leben ist schon viel passiert, und die Kunst war immer ein Halt für mich.

Deine Werke sind gerade Teil einer Ausstellung des Kunstvereins Weiden. Kannst du etwas dazu erzählen?

Die Ausstellung ist im ehemaligen Studienseminar St. Augustin in Weiden. Sie ist sehr bunt und abwechslungsreich – eine wirklich spannende Mischung. Ich selbst bin mit vier Bildern vertreten. Eines davon heißt „Captain Mama“. Das ist eine Art Selbstporträt in meiner Rolle als Mutter – weil man als Mama ständig organisiert, alles im Blick haben muss und sich manchmal wirklich wie der Kapitän eines Schiffes fühlt. Dann gibt es noch „Glaspoesie“. Dieses Bild entstand nach dem Tod meines Vaters. In dieser Zeit hatte ich mit Angststörungen zu kämpfen und fühlte mich selbst sehr zerbrechlich. Genau dieses Gefühl wollte ich auf die Leinwand bringen. Ein weiteres Werk heißt „Langsam“. Darauf sind eine Schnecke und ein Hase zu sehen. Das Bild beschäftigt sich mit dem Gefühl, dass alles um einen herum immer schneller wird – und damit, dass wir vielleicht wieder lernen müssen, langsamer zu werden.

 
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